Geschichte des Kindergartens

Frühzeitig erkannten die Einwohner von Wenigumstadt die Notwendigkeit eines Kindergartens und einer Krankenpflegestation.

Das Lehrer Ehepaar Pappenberger hinterließ der Gemeinde Wenigumstadt neben anderen kleinen Legaten testamentarisch zum genannten Zwecke einer Stiftung  etwa 3.300 Mark. Im Jahre 1905 starb Bertha Pappenberger, im Juni 1910 verstarb Lehrer Pappenberger. Ihre Stiftung wurde mit dem Tod verfügbar und von der Gemeinde und von der Kirchenverwaltung akzeptiert. Herr Pfarrer Lichtenebert nahm anlässlich eines Vortrages über seine Palästinareise die Gelegenheit wahr im September 1910 die Gründung eines Vereins anzuregen, welcher die Einführung der Krankenschwestern und die Einrichtung der Kinderbewahranstalt in die Tat umsetzen soll. Zum Vorbild der jetzt lebenden Generation von Wenigumstadt, die ganze Gemeinde ist dem Verein beigetreten obwohl dieselbe noch 20.000 Mark Kirchenbauschulden zu begleichen hatte und zur gleichen Zeit neben anderen Kostenträchtige Projekten wie der Bau der Bachgaubahn und die Erstellung einer neuen Wasserleitung anstanden. Trotz dieser kostspieligen Bauten konnte am 20.November 1910 die offizielle Gründung des ST. JOHANNIS-ZWEIGVEREIN Vereins erfolgen. Aus der Mitte der Versammelten wurde per Akklamation der Lehrer Lorenz Büttner als Schriftführer und der Gemeindebevollmächtigte Wilhelm Thyroff als Vereinskassier und der Vereinsausschuss gewählt. Nach Konstituierung des Vereinsausschusses gab der Vorstand die bisherigen Ergebnisse der Zeichnungen bekannt. Bar gingen 115 Mark ein. Aus ständigen Beiträgen und Zinsen zum Lebensunterhalt der Schwestern kamen etwa 500 Mark pro Jahr zusammen. Zur Bestreitung der allernotwendigsten Bedürfnisse der Schwestern benötigte man jährlich mindestens 700 Mark, so sicherten die anwesenden Mitglieder des hiesigen Gemeindeausschusses auf Ersuchen des Vereinsvorstandes einen jährlichen Zuschuss von maximal 200 Mark aus der Gemeindekasse zu.  Da noch keine Anstalt erbaut ist, ersuchte der Vorstand die Anwesenden zur unentgeltlichen Abtretung einer leerstehenden passenden Wohnung für die Schwestern und zur freiwilligen Beisteuerung des notwendigen Mobiliars. Als geeigneter Bau für die künftige Kinderbewahranstalt wurde allseits und einstimmig die alte Pfarrkirche des Ortes bezeichnet. Ein Umbau sei bedeutend günstiger als ein kostspieliger Neubau. Auch die Lage in Ortsmitte wurde als günstig betrachtet.

Letztendlich wurde der Kindergarten dann auf dem Gelände des Feuerweihers der Gemeinde erbaut, welches die Gemeinde dem Verein kostenlos zur Verfügung stellte. Der Platz reichte jedoch für den geplanten Neubau nicht aus. Durch Grundstücksschenkungen von fünf weiteren Personen war dann für das Bauvorhaben ein schöner und geeigneter Bauplatz gesichert.

Hunderte von Fuhren Erde waren notwendig, um den Feuerweiher aufzufüllen. Dies wurde alles unentgeltlich von den Mitgliedern geleistet. Zu dieser Zeit  so berichtet die Chronik waren (bis auf vier) alle Familien Mitglied des St. Johannis-Zweigverein. Die Gemeinde stellte für den Neubau auch das Bauholz zur Verfügung.

Den Plan fertigte der Maurermeister Stefan Zahn. Beinahe hätte eine neue Gemeindewahl noch einmal alles zum Scheitern gebracht, wenn nicht Johanna Rohmann mit ihrem gesamten Vermögen gebürgt hätte.  Nach vielen Schwierigkeiten wurde der neuerbaute Kindergarten 1913 von Bischof Ferdinand v. Schlör eingeweiht und drei Schwestern ein-
geführt. Von diesem Zeitpunkt an sollten die Schwestern das Schwesternhaus selbst
unterhalten. Nachdem der Neubau fertiggestellt war, wurden die Gesamtkosten mit
21.602,30 Mark ausgewiesen. Den Kindergarten besuchten schon im ersten Jahr 80-85 Kinder, die Arbeitsschule wurde von15 Mädchen besucht.